Training
  Aktuelles     Über uns     Ausschreibungen     Ergebnisse     Ausbildung     Sanitätswesen     Geschichte     Bilder     Presse     Meister     Partner     Kontakt     Links  
Allgemein:
Startseite
Impressum

Bewegungsabläufe beim Kraulschwimmen

Autor(en): Friedhelm Kreiß
Fotos: Erscheinungsjahr: 7/1972
Literatur/Quellen:

Der Bewegungsablauf des Kraulschwimmens
1. Der Körper liegt ausgestreckt und so hoch wie möglich im Wasser. Der Kopf schwimmt dabei locker auf dem Wasser. Die Wasseroberfläche befindet sich am Kopf etwa auf Stirnhöhe.
2. Der Beinschlag beginnt in der Hüfte, das Kniegelenk wird nicht zu stark gebeugt – lang und locker aus der Hüfte. Fußgelenke müssen locker sein, die Füße sind etwas eingedreht.
3. Die Arme greifen mit hohem Ellbogen entspannt und locker weit vor der Schulter ins Wasser – zuerst Fingerspitzen, dann Hand, Unter- und Oberarm. Nach Beginn des Armzuges wird der Arm gebeugt, am Ende des Armzuges drückt die Hand noch auf Hüfthöhe nach hinten. Schulter des Zugarmes geht mit Beginn des Armzuges tief und verstärkt so den Druck.

Illustration

Kontrollmöglichkeiten
1. Liegt der Kopf locker auf dem Wasser? Ist der Körper gestreckt und hoch im Wasser?
2. Berühren die Zehen sich zuweilen beim Wechselschlag? Befinden sich die Füße im Wasser und erzeugen eine sichtbare Wasserbewegung? Keine hohen Spritzfontänen!
3. Verspürt der Schwimmer im Wasser Druck auf den Händen? Das Wasser darf beim Einsetzen der Hand nicht hoch aufspritzen!

Illustration

4. Zum Einatmen den Kopf nur so weit wie nötig zur Seite drehen, nicht hochheben. Der Kopf wird gedreht, wenn der Armzug beendet ist und der entsprechende Arm vorschwingt. Die Atmung immer mit einem Arm koppeln.
5. Der Arm greift wieder weit vor mit geschlossenen Fingern auf das Wasser. Die Finger bilden eine Schaufel. Die Bewegung wird von der Hand geführt, der Ellbogen ist hoch. Das gefaßte Wasser nach hinten schaufeln.
6. Zum Ausatmen kräftig ins Wasser blasen. Im normalen Schwimmunterricht wird der Sechserschlag gelehrt: Auf jeden vollständigen Armzug werden sechs Beinschläge gezählt. 1 – 2 Ausheben/Vorbringen, 3 – 4 Einsetzen/Ziehen, 5 – 6 Anwinkeln/Durchschieben zur Hüfte/ Drücken.

Kontrollmöglichkeiten zur richtigen Ausführung
4. Beim Einatmen nicht auf der Seite liegen, nur der Kopf wird gedreht! Der Ellbogen verläßt als erster Teil das Wasser, Armzug langsam beginnen, zum Ende der Bewegung hin schneller werden.
5. Schwingt die Hand locker nach vorn? Es darf kein Wasser beim Durchzug durch die Finger laufen – Finger zusammen!
6. Wird nach vorn ins Wasser ausgeatmet? Stimmt der Schlagrhythmus? Beinschläge mitzählen!
Die Bewegungen werden kontinuierlich ausgeführt; es gibt keinen Ruhepunkt. Die Bewegung der Hände ist auf nachstehendem Diagramm schematisch dargestellt. Zu beachten ist, daß die Hand unter den Körper geführt wird. Das Diagramm zeigt eine S-Form!

Diagramm der Handbewegung
Das Kraulschwimmen kann in drei Bewegungszyklen unterteilt werden, den Beinschlag, die Unterwasserphase, gegliedert in Zugphase und Druckphase, und die Schwung- oder Rückholphase. Die Atmung erfolgt in Einklang mit dem Bewegungsrhythmus der Gesamtbewegung.

Der Beinschlag
Der Beinschlag stellt eine Bewegung dar, bei dem der Körper, aufgrund seines Körperschwerpunktes fast parallel zur Füße liegt und die Beinbewegung aus der Hüfte beginnt. Der Oberschenkel bewegt sich dabei leicht abwärts. Durch den Wasserwiderstand am Schienbein kommt es zu einer Beugung im Kniegelenk. Durch die schnell auszuführende Streckung des Beines, dem sogenannten Peitschenschlag, wird der Umkehrpunkt des Beinschlages erreicht. Die Fußspitzen sind dabei leicht nach innen gedreht, die Füße jedoch locker gestreckt gehalten. Mit der Streckung des Beines beginnt gleichzeitig die Aufwärtsbewegung des gestreckten Beines bis zur Füße. Die Beinbewegung beginnt von vorn. Beim Beinschlag wird das Wasser verdrängt. Beim nach unten geführten Bein hauptsächlich mit dem Fußrücken und beim aufwärtsgeführten Bein mit der Fußsohle.

Die Unterwasserphase
Die Unterwasserphase kann in zwei aufeinander aufgebaute Techniken erlernt werden. Im Anfängerbereich wird man zuerst mit der im Arm gebeugten Unterwasserphase beginnen. Diese Art der Unterwasserphase verläuft nahezu parallel zur Körperlängsachse. Sie beginnt mit einer leichten Aus-Einwärtsdrehung nach unten hinten, während der Arm sich zunehmend im Ellenbogen beugt und seine größte Neigung ( ungefähr rechter Winkel ) in Schulterhöhe erreicht. Mit dem Punkt des größten Wasserwiderstandes ist die Zugphase des Armzuges beendet und geht in die Druckphase über. Hierbei wird die Hand nach hinten in Richtung Füße bewegt und bis zum Oberschenkel gestreckt, wo durch das herausnehmen der Arme aus dem Wasser die Schwungphase eingeleitet wird
Der S-Zug baut auf der im Arm gebeugten Unterwasserphase auf. Die S-förmige Bewegung in der Unterwasserphase führt zu einem längeren antriebswirkenden Weg in Zug- und Druckphase. Man bewegt sich durch das Verdrängen des Wassers zur Seite nach vorne. Die Zugphase beginnt mit einer auswärtsgerichteten Dreh-Kipp-Beugebewegung der Hand um einer Sogwirkung an der Hand auszuweichen, dem sogenannten Wasserfassen. Diese Beugebewegung wird in eine Abwärts-Einwärts-Rückwärts- Bewegung der Hand übergeleitet, so daß in Höhe der Schulterachse die größte Armbeugung von ca. 90 Grad erreicht werden soll. Die Einwärtsbewegung wird hierbei auf der Höhe der Körperlängsachse beendet und Hand, Ellenbogen und Schulter bilden ein rechtwinkliges Dreieck. In der anschließenden Druckphase wird der Arm zum Oberschenkel hin fast gestreckt und der Ellenbogen leitet die Rückholphase ein. Die Druckphase sollte zu einem wegen des größeren Abdruckes beschleunigt werden und zum anderen um eine bessere Einleitung der Rückholphase zu gewähren.

Die Rückholphase
Die Rückholphase beginnt wie die Atmung mit dem Ende der Druckphase. Durch das Herausheben der Ellenbogen, das heißt die Arme werden durch das Herausheben der Ellenbogen aus dem Wasser genommen, soll eine schmale, in Richtung der Körperlängsachse gerichtete Vorwärtsbewegung gewährleistet werden. Man kann sich die Bewegung vorstellen als ob man ein Taschentuch aus der Hosentasche zieht. Die Arme schwingen locker und entspannt im Ellenbogen gebeugt nach vorn, wobei die Ellenbogen den höchsten Punkt des Armes bilden. Die Fingerspitzen tauchen zuerst ins Wasser ein. Zum Ende der Schwungphase wird der Arm im Wasser aus den Schultern nach vorn in Richtung der Körperlängsachse gestreckt

Die Atmung
Das Einatmen soll dann erfolgen, wenn die Hand das Wasser verläßt und wieder nach vorne geholt wird. Der Atemrhythmus sollte, wie oben in der Einleitung schon gesagt, mit dem Bewegungsrhythmus übereinstimmen. Bei der Atmung liegt das Gesicht unter der normalen Wasserlinie in der Bugwelle. Der Kopf darf also nicht angehoben werden. Während des gesamten Atemvorganges soll vor allem darauf geachtet werden, daß versucht wird die Schulter und Hüfte möglichst ruhig im / auf dem Wasser liegen zu lassen. Die Atmung hat aber nicht nur einen schwimmtechnischen Hintergrund sondern ist, insbesondere bei längeren Strecken auch ein taktisches Instrument.
Die Atmung setz ich auf Grund der Aufgabenstellung voraus, obwohl mir durchaus bewußt ist, daß auch die Atmung bei der Vervollkommnung der Kraultechnik ein entscheidender Faktor sein kann.
Gehen wir also in folgender Übungsstunde von einer Gruppe jugendlicher Schwimmer im Alter von neun bis elf Jahren aus, die die 100m Freistil mit 3er Zug zwischen 1:20min und 1:30min schwimmen. Die Jugendlichen trainieren drei mal die Woche eineinhalb Stunden. Die Kraulatmung ist dem Alter und Leistungsstandart entsprechend und stellt sich nur als individuelles Problem einiger weniger und ist daher als Technikaufgaben für die Allgemeinheit bis auf weiteres zu vernachlässigen. Der S-Zug wird in der Grobform beherrscht. Das Training findet auf einer 25 m Bahn statt.
Die zwanzigminütige Technikschulung beginnt im Anschluß an das Einschwimmen. Die Schwimmerinnen und Schwimmer sind zu diesem Zeitpunkt am besten in der Lage sich auf die gestellten Aufgaben zu konzentrieren und anschließend umzusetzen. Ein weiterer Vorteil die Technikschulung am Anfang des Trainings zu machen ist, daß in der verbleibenden Trainings- zeit auf die gemachten Bewegungserfahrungen bei Stillkorrekturen zurückgegriffen werden kann.
Ich beginne die Technikschulung mit mehren Übungen zur Verbesserung des Wassergefühls und der Koordination. Bevor ich aber mit den spezifischen Übungen für das Kraulschwimmen beginne, lasse ich meine Trainingsgruppe Technikkombinationen schwimmen.

- Wir beginnen mit einer Bahnen Brust-Armzug mit Delphin-Beinschlag sowie einer Bahn mit Kraul Beinschlag.
- Anschließend folgt eine Bahn Delphin-Armzug mit Kraul-Beinschlag und eine mit Brust-Beinschlag
- Zum Abschluß schwimmen wir zwei Bahne Kraul-Armzug mit Delphin- bzw. Brust-Beinschlag

Übungsformen

Aufgabe


S-Zug weit über die Körperlängsachse / auf der Körperlängsachse

Fehler

- Hand geht über Körpermitte
- falsche Ausformung des S
- Ellenbogen zieht zuerst

Folgen

- starkes Rollen und Schlenkern
- Zickzack-Schwimmen
- geringer Antrieb

Korrektur

- korrigiere die Bewegung im Gehen im hüfttiefen Wasser
- Bewegung gegen Widerstand ziehen
- ziehe zuerst mit Unterarm

Dies Übungen können mit den zur Koordination der Arme je nach Leistungsstand der Gruppe integriert werden:

--------------------------------------------------------------------------------

Aufgabe

Abschlagschwimmen aufgelöst: Auf einer Bahn von Einer-Abschlag zum Mühlkreisen mit Hände Übergang.

Fehler

- Hände sind immer gleich weit von einander entfernt ( Windmühlentechnik).
- Catch-up-Technik, hierbei holt ein Arm den anderen am Ende der Rückholphase beinahe ein.

Folgen

- Unruhige Schwimmlage bei der Windmühlentechnik

- Zu langes Gleiten bei der Catch-up-Methode

Korrektur

- Die Bewegung der Arme sind so zueinander abgestimmt, daß mit Ende der des Einatmens und mit Beginn der Rückholphase der Gegenarm mit dem Wasserfassen beginnt. Diese Technik bewirkt eine ruhige und stabile Wasserlage und zugleich einen fortlaufenden Antrieb durch die Arme bei einer hohen Stellung des Körpers im Wasser.

Dies gilt ebenso für die folgenden Übungen der Rückholphase.


--------------------------------------------------------------------------------

Aufgabe

Hoher Ellenbogen

Ziel

entspannte, der Körperlängsachse verlaufende Rückholphase um starkes Rollen oder Schlenkern zu vermeiden.

Fehler

Arme werden seitlich nach vorne gebracht.

Folgen

Schlenkern und starkes Rollen.

Korrektur

Mit dem Daumen die Achselhöhe antippen.

Variationen

- Mit Daumen den gesamten Körper entlang (Reisverschluß)
- Am höchsten Punkt des Ellenbogens einen Kreis mit dem abgewinkelten Unterarm.

Wichtig ist das der Unterarm entspannt bleibt.

- Hoher Ellenbogen, dann Hand überm Rücken ins Wasser tippen, hoher Ellenbogen und lang nach vorne.

--------------------------------------------------------------------------------

Besonders mit den Übungen zur Koordination der Arme lassen sich gut mit Beinschlags-variationen verbinden.
So kann man z.B. um verschiedene Schwimmrythmen einzubauen, den Beinschlag von Bahn zu Bahn verändern. Die erste Bahn wird Kraul mit einem 6er Beinschlag geschwommen, während auf der zweiten Bahn ein 1er Beinschlag geschwommen werden soll, der auf den Bahnen drei und vier in einen 2er Beinschlag übergeht.
Eine Gesamtkombination aller Freistilelemente könnte dann Kraul Einer-Abschlag sein, bei dem die Druckphase beschleunigt werden soll, mit Hohem Ellenbogen zu schwimmen ist und vorn, wenn die Arme zusammen sind, eine Streckung aus den Schultern unter verstärktem Einsatz der Beine.
Im Anschluß an die Kraultechnik lasse ich als Übergang zum Hauptteil des Trainings eine längere Freistilstrecke locker schwimmen um die geübten Bewegungen einzuschleifen.
Zur Effektivierung der Technikschulung ist ein Fehlerkatalog (siehe Anhang) für jeden einzelnen Athleten sowie für eine ganze Gruppe, durch Auswertung der Einzelkataloge, zu empfehlen, da man dadurch ein kontinuierliches Meßinstrument in den Händen hat und sich durch Vergleiche Fortschritte oder Rückschritte erkennen lassen.
Wichtig finde ich auch das man nicht versucht den Schwimmern einen Einheitsstil aufzuzwingen. Unterscheiden sich die Langstreckler doch auch wesentlich von den Sprintern.
Während die Langstreckler sich in der Zugphase eines kleineren Anstellwinkels des Ellenbogens bedienen, ziehen die Sprinter dagegen über einen um so größeren Anstellwinkel um den Unterwasserwiderstand zu erhöhen.

Jochen Beckert

--------------------------------------------------------------------------------

Fehlerkatalog Freistil

Wasserlage

Kopf zu hoch
Kopf zu tief
zu starke Rollbewegung
zu schwache Rollbewegung
seitliches Ausbrechen der Hüfte

Zug/Druckphase

Arm bei Beginn nicht gestreckt
Wasserfassen zu früh
Wasserfassen zu spät
Zug mit gestrecktem Arm
Zug mit zu stark abgewinkelten Arm
Zugbahn geradlinig

Rückholphase

Kein hoher Ellenbogen
Hände zu weit auswärts
Eintauchpunkt zu weit vorne
Eintauchpunkt zu nahe am Kopf
Catch-up-Technik
Windmühlentechnik

Beinbewegung

Pendelbewegung nach rechts und links
Kniegelenk zu steif/stark abgewinkelt
Fußgelenke zu steif
Beinbewegung zu flach/tief
Beinschlag zu schwach
Beinschlag erfolgt unregelmäßig

Atmung

Einatmung zu früh/spät
Kopf/Schulter werden zu weit seitlich gedreht
Kein vollständiges Ausatmen unter Wasser
Atmung unregelmäßig

Wende

Einleitung erfolgt zu früh/spät
Drehung um Querachse zu langsam
Abstoß nicht in Seitenlage Abstoß zu tief/flach
Beinbewegung nach Abstoß zu gering/zu spät
Atmung direkt beim ersten Zug

--------------------------------------------------------------------------------

Literaturverzeichnis:

1.) Werner Freitag: Schwimmen - Training - Technik - Taktik
2.) Werner Freitag: Spezielle Schwimmausbildung: Wettkampfschwimmen
3.) Kurt Wilke und Orjan Madsen: Das Training des jugendlichen Schwimmers
4.) Unterlagen vom Übungsleiter- sowie B-Trainer-Lehrgängen in Tailfingen

--------------------------------------------------------------------------------

Übungstips

Beinschlagtraining:

1.- In Seitenlage, Beine scheren weit aneinander vorbei nach vorne/hinten.
2.- Kraulbeinschlag, Arme verschränkt auf dem Rücken. Atmung nach vorne.
3.- Kraulbeinschlag, Arme über den Kopf verschränken.

WICHTIG!!!: jetzt schon auf eine korrekte Arm- bzw. Handhaltung ( Hände
übereinander, nicht nebeneinander ) achten.
------------------------------------------------------------------------
ganze Lage:

4.- In Seitenlage. Nach sechs Beinschlägen rollt der Körper auf die andere
Seite. Der obere Arm liegt auf der Hüfte, der untere Arm befindet sich
gestreckt über dem Kopf ( der Kopf liegt auf dem unteren Arm ). Während der
Rollbewegung wird der an der Hüfte ruhende Arm nach vorne gebracht,
gleichzeitig wird der andere Arm durch einen Unterwasserzug nach hinten
gebracht.
5.- Kraulbeine, Daumen fassen in die Achselhöhlen. Wichtig ist bei der
Ausführung eine hohe Schulter.
6.- Einseitiger Armzug, der ruhende Arm befindet sich an der Hüfte.
7.- wie oben, der ruhende Arm befindet sich über dem Kopf.
8.- Wechselzug, Daumen streifen an den Oberschenkeln bis zu den Achseln.
9.- Wechselzug normal.
10.- ganze Lage.
11.- ganze Lage mit Temposteigerungen.

( von V. Lesiuk jr. )


Bewegungsabläufe beim Brustschwimmen